Ypern
Westflämische Stadt mit Tuchhallen und Menenpoort
Ypern liegt in Westflandern. Im Ersten Weltkrieg verlief die Front vier Jahre lang in einem Bogen um die Stadt. Nach dem Krieg wurde Ypern mit Tuchhallen und Belfried nach mittelalterlichem Vorbild wieder aufgebaut. Unter der Menenpoort erinnert die Last-Post-Zeremonie jeden Abend an die Gefallenen.
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Tuchhallen und Grote Markt
Ypern (niederländisch Ieper) liegt in der Provinz Westflandern in Flandern. Zwischen 1100 und 1400 war die Stadt durch das Tuchgewerbe wirtschaftlich bedeutend. Die Tuchhallen am Grote Markt werden 1173 erstmals erwähnt; der Bau in seiner heutigen Form begann um 1250 und dauerte bis 1378. Im Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude vollständig zerstört. Nach dem Krieg beschlossen die Bewohner gemeinsam mit dem Architekten Jules Coomans, ihre Stadt mitsamt den Tuchhallen wiederherzustellen. Die Gebäude im Zentrum stammen daher aus dem 20. Jahrhundert und zeigen doch den mittelalterlichen Charakter der Stadt.
Heute beherbergen die Tuchhallen die Tourismusinformation, das Yper Museum zu elf Jahrhunderten Stadtgeschichte und das In Flanders Fields Museum. Dieses erzählt die Geschichte des Ersten Weltkriegs in Belgien, im Westhoek und in Ypern; der letzte Teil der Ausstellung widmet sich der Erinnerungskultur. Vom Museum führen 231 Stufen auf den Belfried mit Blick über die Stadt und die umliegenden früheren Schlachtfelder.
Menenpoort und Last Post
Die Menenpoort liegt rund 250 Meter vom Grote Markt entfernt. Ihr offizieller Name ist Ypres (Menin Gate) Memorial: ein Denkmal für die Vermissten, das Sir Reginald Blomfield als klassischen Triumphbogen entwarf und Feldmarschall Plumer am 24. Juli 1927 einweihte. Es trägt die Namen von Soldaten des damaligen Britischen Weltreichs, die bis zum 15. August 1917 vermisst wurden. Es gehört der Commonwealth War Graves Commission (CWGC), die es auch verwaltet. Die Menenpoort gehört zum UNESCO-Welterbe.
Jeden Abend um genau 20 Uhr hält die Polizei den Verkehr unter dem Tor an, und Hornisten der Last Post Association spielen den Last Post für die Soldaten des Britischen Weltreichs und seiner Verbündeten, die im Ypernbogen starben. Die Vereinigung aus Bürgern der Stadt begründete die Zeremonie 1928 und richtet sie bis heute aus. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Reservierung möglich. Die Last Post Association bittet, während der Zeremonie still zu sein und weder währenddessen noch danach zu applaudieren. Sie dauert selten unter 10 und selten über 25 Minuten. An den meisten Abenden ist der Bereich unter dem Tor schon gegen 19.15 Uhr gut gefüllt. Rollstuhlfahrende erhalten einen eigenen Platz, wenn sie spätestens um 19.45 Uhr eintreffen.
Ypernbogen und Soldatenfriedhöfe
Vier Jahre lang verlief die Front in einem Bogen um Ypern. In der Umgebung erinnern Stätten, Denkmäler, Friedhöfe und Landschaften an die Kriegsjahre 1914-1918. Die 1917 gegründete CWGC betreut die Gräber der Commonwealth-Soldaten beider Weltkriege; ihr Besucherzentrum liegt gegenüber der Menenpoort. In der Innenstadt gehören der Ramparts Cemetery am Lille Gate auf den Festungswällen und der Ypres Reservoir Cemetery zu ihren Stätten. Die anglikanische St George's Memorial Church entstand 1928-1929 nach Plänen von Blomfield. Im Garten der St.-Martins-Kathedrale steht das Irish Cross. Außerhalb des Zentrums gehören die Commonwealth-Friedhöfe Essex Farm Cemetery und Bedford House Cemetery zum UNESCO-Welterbe. Weitere Ziele in Belgien stehen unter Sehenswürdigkeiten.
Anreise und Ausflüge
Ypern liegt am Ende der A19, die bei Kortrijk an die E17 anschließt. Die Stadt ist auch mit dem Zug und mit Bussen von De Lijn erreichbar; vom Bahnhof bis zur Menenpoort ist es rund ein Kilometer. Auf dem Wasserweg ist der Jachthafen von Ypern von Diksmuide und von Nieuwpoort an der Küste aus erreichbar.
Kopfsteinpflaster und die Festungswälle aus dem 17. Jahrhundert machen das Zentrum nicht überall barrierefrei. Beide Museen in den Tuchhallen haben einen Aufzug, der Bereich unter der Menenpoort ist für Rollstühle gut zugänglich. Ypern lässt sich auch als Ausflug von Brügge aus besuchen; weitere Städte stehen unter Orte.